„Aus Wut wird Mut“: Treffen der Nationalen Armutskonferenz

Am 11. und 12. Dezember 2025 traf sich die Nationale Armutskonferenz (nak) in Berlin zu ihrer Delegiertenkonferenz.
Für unseren Verein nahm Carmen Mauerer daran teil.


Die nak vereint seit 1991 Organisationen, Verbände und Menschen mit Armutserfahrungen, die gemeinsam gegen soziale Ausgrenzung vorgehen. Sie veranstaltet Treffen für Menschen mit Armutserfahrungen sowie Delegiertenkonferenzen, in denen Organisatorisches, Aktuelles und politische Forderungen diskutiert werden. Außerdem ermöglicht sie Kontakt und Austausch mit politisch Verantwortlichen. Die inhaltliche Arbeit erfolgt in verschiedenen Arbeitsgruppen.


In diesem Jahr veröffentlichte die nak einen Schattenbericht zum aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung: Armut in Deutschland – Menschenbilder | Schattenbilder | Zukunftsbilder.
Herzliche Leseempfehlung!


Gemeinsam mit Stefan Bräunling von Gesundheit Berlin-Brandenburg koordiniert Carmen Mauerer die AG Gesundheit. Die Sitzung am Donnerstagnachmittag behandelte neben Berichten aus Workshops zu Krisen- und Suizidprävention auch ausgiebig den Ansatz des „Social Prescribing“ („Soziales Rezept“): Ärzt*innen sollen neben Medikamenten und medizinischen/therapeutischen Maßnahmen auch „Rezepte“ für beispielsweise Sozialberatung, Kultur- oder Bewegungsangebote ausstellen können – ein Konzept, das helfen kann, ernstere Erkrankungen zu verhindern.

Ein weiteres Thema war die Versorgung in psychischen Krisensituationen: Es gibt ohnehin nicht ausreichend Anlaufstellen, und davon werden aktuell viele von der Regierung gekürzt oder komplett beendet, wodurch sich die Löcher Versorgungnetz weiter vergrößern. Die übrigen sind oft unübersichtlich und schwer auffindbar, besonders für Menschen in akuten psychischen Krisen. Zwei Teilnehmerinnen berichteten von vielen umständlichen und belastenden Hürden und Barrieren auf der Suche nach Unterstützung bei ihren Notsituationen.

Besorgt zeigten sich die Teilnehmenden der AG auch über die von der Regierung geplanten Leistungskürzungen bei Sozialleistungsberechtigten. Durch bestimmte Erkrankungen wie Depressionen oder traumatische Belastungsstörungen sind manche Menschen nicht in der Lage, Post zu öffnen oder Termine wahrzunehmen. Dies geschieht nicht aus bösem Willen oder Nachlässigkeit, sondern ist Symptom der Erkrankung. Sanktionen können diesen Menschen die Lebensgrundlage nehmen, sie in existenzielle Armut drängen. Steht der Krankenversicherungsschutz oder die Wohnung auf dem Spiel, kann das fatal sein.

Am Freitag berichteten die Delegierten über das gelungene Treffen der Menschen mit Armutserfahrungen im November, diskutierten weiter über Sozialleistungen, die Macht der Sprache und die Zukunft der nak.

Diese Konferenz machte einmal mehr deutlich, wie wichtig Strukturen und Debatten wie die der nak sind: Sie machen Armut sichtbar, verwandeln Wut in Mut, vernetzen Menschen und bieten Möglichkeiten, gemeinsam für politische und strukturelle Veränderungen einzutreten. Armutsbetroffene haben sonst kaum Lobby – umso wichtiger, dass sich alle, die etwas gegen Armut tun wollen, zusammenschließen und dem rauhen politischen Klima etwas entgegensetzen!

Vielen Dank an die Organisator*innen und alle Aktiven in der nak!