Akute humanitäre Bedrohung in Rojava – Sorge um unser Team und tausende Patient*innen in und um Kobanê

Wir zeigen uns tief besorgt über die Lage in Rojava. Eine Allianz autoritärer Kräfte greift die Region an, in Kobanê verschärfen Versorgungsengpässe die Situation für die Zivilbevölkerung dramatisch.

Wir engagieren uns seit mehr als zehn Jahren aus Mainz heraus in Nordostsyrien, um die gesundheitliche Situation von bedürftigen Menschen nachhaltig zu verbessern. Nach der Zerstörung des früheren Gebäudes Ende 2023 durch Drohnenangriffe konnte das neu gebaute, größere Gesundheitszentrum in Kobanê erst im Sommer 2025 in Betrieb genommen werden.

Unser Team in Kobanê bei der Eröffnung des neuen Gebäudes im Sommer 2025

Unser festangestellter Arzt Dr. Basrawi Ali, Leiter der Diabetesambulanz, beschreibt die aktuelle Lage als katastrophal. Seit Donnerstag konnte er keinen Kontakt mehr zu unserem Team aufnehmen; Strom- und Internetverbindungen sind offenbar vollständig unterbrochen. Dr. Ali befindet sich derzeit in Deutschland; im Dezember war er noch vor Ort. Zuletzt berichtete unser Team: „Wir arbeiten weiter unter extrem schlechten Bedingungen: kein Strom, kein Wasser, die Medikamente werden knapp, viele Menschen haben kaum etwas zu essen und es ist bitterkalt. Wir sind von allen Seiten eingeschlossen.“

Jari Trabert, Leiter des Arbeitsbereichs „Globale Projekte“, ergänzt: „Die Angriffe gefährden das Leben unserer Mitarbeitenden, Patient*innen und deren Familien. Politisch Verantwortliche müssen jetzt handeln, um die Bevölkerung zu schützen und die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten.“

Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht. Rojava ist ein demokratisches Projekt, das auf Selbstorganisation, Gleichberechtigung und friedlichem Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen basiert.

Wir setzen uns gegen jede Form von gewalttätiger Auseinandersetzung und für eine friedliche Lösung ein. Eine Möglichkeit, sich unserem Engagement anzuschließen, ist der Besuch der Kundgebung des kurdisch-demokratischen Gesellschaftszentrums und der kurdischen Studierenden in Mainz am Samstag, 24.01.2026, um 15:30 Uhr am Mainzer Hauptbahnhof. Unter dem Motto „All eyes on Rojava“ soll gemeinsam ein sichtbares Zeichen für den Schutz der syrischen und kurdischen Zivilbevölkerung gesetzt werden.

Bilder vom 21.01.2026 aus Kobanê. Mittig die beiden Krankenschwestern aus dem a+G Diabeteszentrum.