Wir trauern um Hans Sander, der vorgestern im Alter von 70 Jahren plötzlich verstorben ist.

Hans Sander hat sich über viele Jahre hinweg, oft mit uns und mit Gerhard Trabert, eingesetzt:
Dafür, den Zugang zur Gesundheitsversorgung als Menschenrecht durchzusetzen; dafür, Armut politisch zu benennen und dafür, konkrete Veränderungen einzufordern.
Er war Sprecher der Landesarmutskonferenz, aktiv in der Nationalen Armutskonferenz und Mitbegründer des Sozialforums Kaiserslautern: In all diesen Strukturen brachte er Betroffene, Sozialverbände, Gewerkschaften, Parteien und Initiativen zusammen.
In der Erwerbslosenberatung von ver.di hat er Menschen unterstützt, Anträge erklärt, begleitet und sich Zeit genommen; oft viele Stunden pro Woche, ehrenamtlich.
Erst vor wenigen Wochen wurde Hans Sander für sein jahrzehntelanges Engagement mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.
Die Rede, die er dafür vorbereitet hatte, konnte er bei der Verleihung aus Zeitgründen nicht halten.
Einige seiner starken Sätze wollen wir deshalb hier als Zitate unterbringen.

Was ich in meiner Beratungspraxis erlebe, ist nicht Einzelfall, sondern System.
Er hat konsequent die Perspektive verschoben und statt von „Armut“ lieber von „Einkommensarmut“ gesprochen. Warum?
Nun, in all den langen Jahren der Erwerbslosenberatung habe ich ungezählte Menschen kennengelernt die einkommensarm sind. Dafür aber reich an Mitgefühl, Menschlichkeit und Solidarität.
Seine Kritik richtete sich klar gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse:
Arm sind diejenigen, die die soziale Ungleichheit zulassen, die sie verursachen und die sie weiter verschärfen. […] Diese Schieflage ist kein Unfall. Sie ist Absicht.
Auch die Auszeichnung selbst hat er politisch eingeordnet.
Er verstand sie nicht als persönliche Ehrung, sondern als Anlass, auf die inakzeptable Ungleichheit hinzuweisen – und rief statt Geschenken für sich zu Spenden für unseren Verein auf.
Seine Rede endet so:
Ich […] gebe die Hoffnung nicht auf, dass eines Tages ein Ruck durch dieses Land geht und wir gemeinsam aufstehen und sagen: […] Es reicht!
Dieser Anspruch bleibt. Armut ist kein Zufall.
Sie besteht, weil politische Entscheidungen sie zulassen, und weil Reichtum geschützt wird.
Hans Sander hat widersprochen.
Warum?
Weil ich Gerechtigkeit will!
Lieber Hans, das wollen wir auch.
Wir werden weitermachen.
Hab Dank und Ruhe in Frieden.
Wir empfehlen Ihnen, seine ganze Rede zu lesen, so wie auch seine Texte wie beispielsweise seinen Beitrag in Gerhard Traberts Buch „Solidarität in Zeiten von Corona und darüber hinaus“