a+G kritisiert die „härtere Gangart“ im Mainzer Bahnhofsumfeld scharf

Am 13.10.2026 erschien in der Allgemeinen Zeitung Mainz ein Artikel mit dem Titel „Bahnhofsumfeld: Dezernent wertet härtere Gangart als Erfolg“.
Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. (a+G) reagiert mit scharfer Kritik auf die von Ordnungsdezernent Karsten Lange (CDU) beschriebene „härtere Gangart“ gegen obdachlose und suchtkranke Menschen im Mainzer Bahnhofsumfeld sowie auf die unkritische Berichterstattung in diesem Zusammenhang.
Statt Armut und Sucht durch soziale Hilfsangebote zu begegnen, setzt die Stadt auf Verdrängung und Kriminalisierung. Die lokale Berichterstattung verstärkt diese Politik zusätzlich durch stigmatisierende Sprache und einseitige Narrative.

Wir nehmen zu den Entwicklungen wie folgt Stellung:

Kritik an den Maßnahmen des Ordnungsdezernats der Stadt Mainz:

Verdrängung statt nachhaltiger Unterstützung
Tägliche Kontrollen, Drogenrazzien und das Räumen von Matratzenlagern lösen keine strukturellen Probleme, sondern verlagern menschliche Not lediglich in andere Stadtteile. Anstatt die fehlenden Hilfskapazitäten für suchtkranke Menschen auszubauen, begegnet die Stadt den Betroffenen mit reinem polizeilichen „Gegendruck“.

Kriminalisierung von Armut und Hilfebedarfen
Die Forderung des Dezernenten, den Zoll gegen „bettelnde“ Menschen einzusetzen, stellt fundamentale Notlagen pauschal unter den Verdacht organisierter Kriminalität („Bettelbanden“). Armut wird damit behördlich verfolgt, anstatt sozial aufgefangen zu werden.

Kritik an der Berichterstattung und Sprachpraxis:

Diskriminierende und entmenschlichende Wortwahl:
Die Verwendung von Begriffen wie „Junkies“, der sich aus dem Englischen „Junk“ zu Deutsch „Müll“ ableitet, entmenschlicht drogengebrauchende Menschen und befeuert gesellschaftliche Vorurteile. Auch die pauschale Beschreibung Obdachloser als „abgerissen, ungepflegt, alkoholisiert“ bedient pauschale Klischees, statt sachlich aufzuklären.

Einseitiges Narrativ ohne Betroffenen- und Fachperspektive:
Der Artikel übernimmt weitgehend unkritisch das Verwaltungsnarrativ, dass Repression ein „Erfolg“ sei. Soziale Fachverbände, Streetworker*innen oder die betroffenen Menschen selbst kommen nicht zu Wort. Es wird ein reine Law-and-Order-Perspektive reproduziert, ohne die Folgen für die Betroffenen zu hinterfragen.

Unser Appell für eine soziale Stadtpolitik

„Eine Stadtpolitik, die sich rühmt, obdachlose und suchtkranke Menschen durch polizeilichen Druck aus dem Blickfeld zu drängen, löst kein einziges Problem, sondern verschärft das Leid der Betroffenen“, betont Martin Wick Geschäftsführer von a+G.

„Wir fordern die Stadt Mainz auf, den repressiven Kurs zu beenden und stattdessen gemeinsam mit den Akteur*innen der Wohnungslosenhilfe in den Ausbau von Streetwork, menschenwürdigen Unterkünften, sicheren Konsumräumen und integrativen Hilfsangeboten zu investieren. Gleichzeitig appellieren wir an die Medien, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und differenziert sowie frei von Abwertungen über Menschen in Not zu berichten. Denn: Aus Sprache folgen Taten!“ erklärt Nele Wilk Arbeitsbereichsleitung der Sozialen Beratung bei a+G.

Unsere konstruktive Idee zum weiteren Vorgehen

Die bisherige Zusammenarbeit mit dem Sozialdezernat der Stadt Mainz und weiteren Akteur*innen der Wohnungslosenhilfe war bislang konstruktiv und hat auch bereits nachhaltige Ergebnisse erzielt.

Wir wünschen uns deshalb, dass Herr Oberbürgermeister Haase alle Akteur*innen und Fachpersonen, Dezernate und Polizei zu einem gemeinsamen Austausch einlädt, um alle relevanten Blickwinkel für eine nachhaltige Lösung zusammenzubringen.